Sektionen

Emiliana Torrini

16.02.2009 18:00 bis 17.02.2009 00:00
Italienisches Temperament und isländische Wehmut. Eine Sängerin mit einmaliger Stimme ist sie und noch dazu eine gesunde Mischung zwischen Diva und sanfter Geschichtenerzählerin. Emiliana wurde 1978 als Tochter eines umherreisenden italienischen Gastwirtes und einer isländischen Mutter geboren - ihr Vater arbeitete überall in Europa. Und aus eben dieser Herkunft resultiert Emilianas oben erwähnter Gemüts-Mix, außerdem überdurchschnittliche Sprachkenntnisse in Deutsch, Dänisch, Englisch, Italienisch und Isländisch.

Torrini war ein Mitglied der Band GusGus und beteiligte sich am Gesangsteil von Polydistortion (1997). Das Lied Why von diesem Album ist noch auf ihren Konzerten zu hören.

Später zog Torrini nach Bath, das sie dem „hektischen" London vorzieht. Dort nahm sie das Album Love in the Time of Science auf, mit dem sie weltweit auf sich aufmerksam machte. Aufgrund ihrer Herkunft und der Klangfarbe ihrer Stimme wurde sie von Kritikern häufig mit Björk verglichen, ihrer Labelkollegin bei One Little Indian Records. Torrini distanzierte sich aber von Anfang an von diesem Vergleich.

Ihr neues Album Me And Armini, welches sich in seiner eher pop-orientierten Ausrichtung von den Vorgängerwerken unterscheidet, erschien am 5. September 2008 bei Rough Trade Records.
So schnell kanns gehen. Einst befreite sich Emiliana Torrini mit "Fisherman's Woman" vom Ballast der Elektronik und präsentiert sich instrumental fast nackt. Singer/Songwriter-Attitüde umschmeichelte ihre zarte und eindringliche Stimme. "Me And Armini" verbindet nun Stimmgewalt mit den Möglichkeiten der Elektronik und führt sie zu einem organischen Ganzen zusammen.

Eine fast chamäleonartige Verwandlung. Der recht konventionelle Beginn mit dem zurückgelehnten Opener "Fireheads" knüpft aber noch an den Vorgänger an. So hält sie zu Beginn den interessierten Hörer bei der Stange.

Spätestens mit dem Titeltrack öffnet Emiliana Torrini das Fenster und lässt eine frische Brise Sound herein, ehe der Verdacht aufkommt, ihre musikalischen Vorstellungen setzten eine muffige Patina an. Ein fluffiger Off Beat mit schön rollenden Dub-Basslinien, ein Besenschlagzeug, sparsam eingesetzte elektronische Beeps runden den wunderbar vor sich hin schlurfenden Track instrumental ab. So ein Gesang passt auch zu karibischen Rhythmen sehr gut.

So scheut Emilia Torrini sich auch nicht davor, den Song zwischendurch ein wenig ausfransen zu lassen und zart psychedelisch angehaucht auf Pink Floyds Spuren zu wandern. Sie kreiert eine sechsminütige Traumreise, die - trotz der für Pop-Maßstäbe schon ewigen Spielzeit - gerne doppelt so lange dauern dürfte.

Keine Angst: Anhänger ruhiger Akustik-Nummern kommen auch 2008 dank einiger verträumter Kompositionen auf ihre Kosten. Aber die sind eben nur ein Teil des vollkommen runden Ganzen. Richtig spannend macht es Emiliana mit Songs wie "Gun", das mit düsterer Film Noir-Kulisse auf den Hörer eindringt. Nick Cave lässt grüßen.

So gelingt der Isländerin fast die Quadratur des Kreises. Das bislang abwechslungsreichste Album ihrer Karriere dürfte sämtliche Liebhaber ihrer unterschiedlichen musikalischen Facetten in einem einzigen Album begeistern. Wie ein Chamäleon eben!


Emiliana Torrini on myspace


iTunes anhören/kaufen