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Soul Deep - The Story of Black Popular Music - (5) Ain't It Funky

06.02.2023 von 02:00 bis 03:00
Der harte, mondän synkopierte Rhythmus des Funk war der Soundtrack der Unruhen und Revolten in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren. In ihrer fünften Episode spürt die BBC-Reihe «Soul Deep» den Wurzeln des Funk nach - eine groovende Reise von James Browns «Papa's Got A Brand New Bag» bis hin zum abgedrehten psychedelischen Sound eines George Clinton. Indem er in «Brand New Bag» den ersten Schlag eines jeden Taktes betonte, brachte James Brown eine musikalische Revolution ins Rollen, die die Richtung des Rhythm and Blues veränderte und den Weg für Hip Hop freimachte. Browns Musik spiegelte eine neue Ära, die für Afroamerikaner vor allem durch das Auftreten der Black Panther und eines neuen Attributs gekennzeichnet war: «negro» war out, «black» war in. Der Funk-Experte Rickey Vincent erklärt hierzu: «Die Leute sagten sich, Schwarz-zu-Sein ist spannend, Schwarz-zu-Sein ist cool. Wir haben einen rauen Stil, wir haben eine Menge Rhythmus. Wir sind richtige Ärsche.» Am Abend nach Martin Luther Kings Ermordung, gab James Brown ein aussergewöhnliches Konzert in Boston. Es wurde live im Fernsehen übertragen, um potenzielle Randalierer nach Hause zu locken. Hier rief Brown zum Frieden auf und nutzte dazu seinen Status als schwarzer Mann. Noch in diesem Jahr veröffentlichte er «Say It Loud I'm Black And I'm Proud» - einen Song, der von Schwarzen handelte und die Weissen erschütterte. Viele Radiostationen weigerten sich, das Lied zu spielen. Sly and The Family Stone kamen aus dem freizügigen San Francisco und brachten das Psychedelische in den Soul. Eine Multikultiband, welche die siebziger Jahre mit einem der einflussreichsten Funk-Titel überhaupt eroberten: «Thank You For Letting Me Be Myself». Und es waren diese neuen Ufer, die zwei aufstrebende Songwriter bei Motown, Norman Whitfield und Barratt Strong, beeinflussten. Die beiden wurden so etwas wie die Baumeister der psychedelischen Soul-Jahre bei Motown. Zwei der grössten Stars bei Motown in den Siebzigern waren Marvin Gaye und Stevie Wonder. Gaye rebellierte gegen seinen glatten Schliff, sein Junge-von-nebenan-Image und nahm «What's Goin' On» auf - eine Hymne des Wandels, die inspiriert wurde von den Erfahrungen, die sein Bruder in Vietnam machte. «Im Grunde genommen handelt es sich um ein Abbild des Gettodaseins afroamerikanischer Vietnamveteranen. Marvin nimmt das Hässliche und macht es schön.» Von Gaye inspiriert handelte sich auch Stevie Wonder deutlich mehr künstlerische Freiheit bei Motown aus. Er engagierte Tonto, Malcolm Cecil und Bob Margouleff - zwei Wunderkinder im Studio, die auf analoge Synthesizer spezialisiert waren. So wurde ein neuer Sound geboren. Während frühere Soul-Musiker die Misere der Afroamerikaner thematisierten, bewegte sich George Clintons psychedelischer Glam-Funk vornehmlich im Reich der Fantasie. «Ich war Verkehrspolizist, Zirkusdirektor, eine Brücke zwischen grossen Musikern. Wir brauchten diesen Humor, weil das Leben so schwer war in diesen Zeiten», führt er aus. Gerade aber als der Funk den Eindruck erweckte, als hätte sein letztes Stündlein geschlagen, entstieg der ausgebrannten Bronx ein neuer Sound, der die schwarze Musik zurück in die soziale Wirklichkeit holte: Hip Hop.