Sektionen

Heiner Goebbels "Stifters Dinge"

26.06.2008 17:00 bis 30.06.2008 21:55
Heiner Goebbels’ neueste Arbeit ist ein Klavierstück für fünf Klaviere ohne Pianisten, ein Theaterstück ohne Schauspieler, eine Performance ohne Performer: eine No-man-Show sozusagen. Vor allem aber ist sie eine Einladung an die Zuschauerin einen faszinierenden Raum voller Töne und Bilder, eine Einladung zum Sehen und zum Hören.

Im Zentrum steht die Aufmerksamkeit den Dingengegenüber, die im Theater oft nur als Dekor oder Requisit erscheinen, hier aber die Protagonistensind: Licht, Bilder, Geräusche, Töne, Stimmen,Wind und Nebel, Wasser und Eis.

Inspirationsquelle sind die Erzählungen Adalbert Stifters, eines Romantikers des 19. Jahrhunderts, bei dem der Eindruck biedermeierlicher Behaglichkeit täuscht. Stifter schreibt so detailliert wie ein Maler malt, und wenn in den oft als langweilig empfundenen Passagen seiner Naturbeschreibungen die Handlung der Erzählung zurücktritt, so geschieht das aus Respekt gegenüber den Dingen: sie fordern vom Leser die Zeit, die ihre detaillierte Wahrnehmung notwendig macht – so als müsse der Leser, der durch den Text will, erst einmal selbst durch den Wald. Die Dinge und Materialien erzählen sich selbst, die Personen sind oft nur eingefügt und nicht souveräne Subjekte ihrer Geschichte.

Heiner Goebbels studierte Soziologie und Musik in Freiburg im Breisgau und Frankfurt am Main, war u.a. Mitbegründer des «Sogenannten Linksradikalen Blasorchesters». Nach zahlreichen Kompositionen für Theater und Film begann er Mitte der 1980er Jahre «Hörstücke», meist nach Texten von Heiner Müller zu komponieren. Mehrfach wurde er dafür mit internationalen Hörspielpreisen ausgezeichnet. Anfang der 90er Jahre begann er mit Orchesterkompositionen, seit Mitte der 1990er Jahre liegt der Schwerpunkt seiner Arbeit auf eigenen Musiktheater-Stücken (z.B. mit dem Ensemble Modern), die er selbst inszeniert und die weltweit zu vielen Theater- und Musik-Festivals eingeladen werden.


26. / 29. / 30. Juni, 19 Uhr

27. & 28. Juni, 19 und 22 Uhr